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"Arbeit ist das halbe Leben?"

Die Menschlichkeit der Muße

Im Rahmen der Ausstellung "Arbeit ist das halbe Leben?!" sprach Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski am 11. Juni zu dem Thema "Die Menschlichkeit der Muße". In einem sehr kurzweiligen Impulsvortrag brachte Prof. Zaborowski den Teilnehmenden den Begriff der Muße nahe.

Muße als der Gegenpol zur Arbeit erscheint vielen Menschen heute als ein antiquierter Begriff, der nicht mehr in eine Zeit des effizienten Tuns, des ständigen Funktionierens und sich selbst Optimierens passt. Doch ohne Muße wird die Welt unmenschlich sagt Prof. Zaborowski, wir hetzen den Zielen nach, brennen aus und erfahren das Leben als sinnlos. Und Muße ist nicht mit Freizeit gleichzusetzen. Denn auch hier ist der Maßstab die Arbeit als die von Arbeit freie Zeit, in der wir uns erholen, um uns wieder für die Arbeit fit zu machen.

Im Gegensatz zur Arbeit, die ständig Ergebnisse, Produkte oder Güter hervorbringen will, liegt der Zweck der Muße in sich selbst. Und das ist nicht gleichzusetzen mit Nichtstun! Denn Muße kann durchaus auch anstrengend sein, wenn wir den Garten pflegen, Sport treiben oder ein Instrument lernen. In der Muße erfährt der Mensch die Sinnhaftigkeit des Lebens, ein gelingendes Leben, was allerdings nicht planbar ist - es geschieht. Sie ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, das aber in Zeiten des Produzierens, Aktivseins und der ständigen Selbstoptimierung verdrängt wird. Wenn wir ständig etwas bringen müssen und jede Tätigkeit nur unter dem Aspekt des Nutzens betrachten, folgen wir einer instrumentalistischen Rationalität und müssen uns selbst einen Sinn geben. Doch die Würde des Menschen beruht gerade darin, uns nicht zu instrumentalisieren - und diesen Raum eröffnet die Muße. Wir erleben Momente des Glücks und des Da-Seins.

Prof. Zaborowski hob am Schluss seines Vortrags hervor, dass uns Muße nicht zufällt. Es braucht Gemeinschaften und Räume dazu, Vorbilder sind notwendig, die das gelingende Leben zeigen - an dieser Stelle hilft nicht die Lektüre des hundertsten Ratgebers, und wir müssen eine Kultur des eigenen Selbst entwickeln.